Freitag, den 03.09.2010, 20:31:39| Home | Links | Über uns | Dossiers | Bücher | Statistiken | Gästebuch |

Die Bahn: Fehlende Authentizität gegenüber dem Kunden

Bahnfahren wird wieder teurer. Dieses verkündete Bahnchef Hartmut Mehdorn heute bei der Halbjahrespressekonferenz in Frankfurt. Der Grund hierfür: “Explodierende Energiepreise und übertarifliche Abschlüsse der Bediensteten.” Dem Gegenüber steht ein Plus von 6,8 %, d.h. ein Gewinn in Höhe von 1,4 Milliarden Euro vor Steuern des Unternehmens.

ICE in Brand als Vergeltung des Kunden?

Vergeltung eines Bahnkunden?

Man erinnere sich an die Sage des Märchenonkel Mehdorn Anfang des Jahres: “Es wird 2008 keine Preiserhöhung bei der Deutschen Bahn geben…”

Somit wurde ein Versprechen gebrochen. Dass dieses die Kunden nicht mit Freude empfangen, dürfte klar sein. Ab Dezember sollen die Preise um voraussichtlich 3,2 % steigen. Man sieht, wohin die Reise geht: Der Kunde ist die Melkkuh des Monopolisten DB.

Das Problem ist nicht in erster Hinsicht, dass die Preise lediglich erhöht werden.

Ärgerlich ist vielmehr, dass der Kunde zunehmend verprellt wird. Authentizität, Servicequalität und Kundenorientierung sind für ein “modernes und großes Unternehmen” wie die Deutsche Bahn Fremdwörter. Hätte Herr Mehdorn seinen Satz über die Preiserhöhung anders formuliert, z.B. “…ich kann eine Preiserhöhung nicht ausschließen, werde aber versuchen, dass Bahnfahren bezahlbar bleibt”, dann wäre das Thema heute sicherlich nicht so groß verkündet worden. Die rhetorischen Fähigkeiten des Herrn Mehdorn als Manager, mit denen er auf einfachste Weise seinen Kunden vermitteln könnte, dass er sie ernst nehme, lassen zu wünschen übrig.

Ein weiteres Problem sind die erhöhten Tarifabschlüsse der Lokführer, welches die GDL mit Ihrem Sturkopf Manfred Sch(n)ell durchsetzte. Zu welchem Ergebnis Splittergewerkschaften ein Unternehmen bringen, hat man aktuell bei der Lufthansa beobachten können: Einstellungsstopp und Preiserhöhungen! Gibt es da nicht Parallelen?

Auf der anderen Seite führte die CO2-Hysterie dazu, dass der Verbraucher der Bahn ein Rekordergebnis vor Steuern brachte.

Der Kunde sollte sich jetzt ernsthaft fragen, wie glaubwürdig ein solches Unternehmen noch ist.

Prüfen wir die Argumentation der Bahn auf Ihre Realität:

1. Die Bahn ist eben nicht so umweltfreundlich, wie immer argumentiert wird. Ein Massenverkehrsmittel benötigt eine Menge an Energie und in erster Hinsicht vor allem an fossilen Brennstoffen, auch zur Stromerzeugung. Und die Umsetzung in elektrische Energie ist nicht effizient. Die Verluste des Stroms beispielsweise, welcher über die Oberleitungen transport wird, sind nicht gerade wenig.

2. Die Finanzierung dieses Unternehmens übernimmt zu knapp 50% der PKW-Individualverkehr und der Steuerzahler: Über den Bund flossen der Bahn die letzten Jahre größere Millionensumme,n zu, u.a. zur Restaurierung des teilweise maroden Schienennetzes. Auf der anderen Seite wird das Netz auf dem Land zunehmend ausgedünnt.

3. Bahnfahren ist generell nicht günstiger als Fliegen oder Autofahren, abgesehen von einigen wenigen Billigangeboten, wie z.B. das Wochenendticket. Im Einzelfall hilft das Berechnen der einzelnen Kosten, inkl. einer vernünftigen Zeitrelation. Auf ländlichen Gebieten sieht die Bilanz oftmals anders aus, und zwar zugunsten des Individualverkehrs.

4. “Die Bahn sei das sicherste Verkehrmittel, behauptete Herr Mehdorn heute. Fakt ist, dass das Flugzeug das sicherste Verkehrsmittel bleibt. Die Statistik der Bahn ist geschönt in Hinblick auf die zeitliche Verweildauer in dem jeweiligen Verkehrsmittel. Die wesentlich objektivere Statistik ist jedoch die Entfernung in bezug zu der Zeitdauer!

5. Mehr Wettbewerb käme in erster Hinsicht dem Kunden entgegen. Schon heute bieten einige kleinere Regionalbahnunternehmen, wie z.B. NordWest-Bahn, Cantus etc. deutlich besseren Service und modernere Züge als die Deutsche Bahn. Leider gibt es zu wenig Wettbewerb. Ein anderes Beispiel: Erst seitdem es mehrere Telekommunikationsanbieter gibt, sind die Preise fürs Telefonieren und fürs Internet eindeutig gefallen! Das ökonomische Prinzip lautet nämlich Angebot und Nachfrage.

Fazit: Man sollte sich als (potentieller) Bahnkunde ernsthaft fragen, was der Begriff Wert bedeutet, mit dem Zug zu fahren. Teilweise veraltete und verdreckte Züge, Lärm und Stress durch schlechtes Benehmen mancher Fahrgäste, keinen Sitzplatz durch überfüllte Züge, mangelnde Flexibilität und schlechter Service tragen nicht gerade dazu bei, ein gesundes Preis-Leistungsverhältnis zu befürworten. Durch die Monopolstellung der Bahn scheint offensichtlich nahezu jedes Mittel bei der “Gewinnmaximierung” recht zu sein. Und dieses weiß Herr Mehdorn genau, weil einige Menschen nicht auf die Bahn verzichten können… Leider oder zum Glück. Das kann man aus zwei unterschiedlichen Perspektiven betrachten!

Eine Antwort zu “Die Bahn: Fehlende Authentizität gegenüber dem Kunden”

  1. deine Bahn Infos » Re: Nur bekloppte fahren mit der Bahn - Online-Kauf von Bahn-Tickets gestört Sagt:

    [...] teuer ist wie ein Mittelklasseauto. Wenn du aber mit 2 oder mehr Personen fährst hat die Bahn nur noch den Bequemlichkeitsvorteil. Den finde ich aber doch erheblich, wie auch hier geäußert wird: [...]

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